Knapp 30 Prozent der Verbraucher entdecken neue Produkte inzwischen über Creator-Content, nicht über klassische Werbung. Diese Zahl dürfte bei Mastercard niemandem entgangen sein. Der Zahlungsdienstleister startet eine eigene Social-Media-Serie, in der Food-Creator im Mittelpunkt stehen – ein bemerkenswerter Schritt für ein Unternehmen, dessen Produkt die meisten Kunden nur am Bezahlterminal wahrnehmen.
Die Serie verfolgt drei erklärte Ziele: Bekanntheit schaffen, die Marke in die Kaufüberlegung bringen und Auffindbarkeit erhöhen. Dafür arbeitet Mastercard mit Creatorn aus dem Food-Bereich zusammen, einer Kategorie, die auf TikTok, Instagram und YouTube zu den reichweitenstärksten Genres gehört. Der Gedanke dahinter ist einfach: Essen ist emotional, wird täglich konsumiert und bietet einen natürlichen Rahmen, um Zahlungsmomente zu zeigen – vom Restaurantbesuch bis zur Online-Bestellung.
Warum setzt ein Zahlungsanbieter auf Food-Influencer?
Zahlungsmarken haben ein grundsätzliches Problem: Niemand scrollt freiwillig durch Content über Karten, Tokenisierung oder Akzeptanzstellen. Mastercard umgeht das, indem es das Thema gar nicht erst zum Hauptthema macht. Statt Produktdetails zu erklären, lassen die Creator die Marke in ihre Alltagsformate einfließen. Das Produkt wird zur Nebensache – und genau das ist der Punkt. Wer beim Zuschauen bezahlt, ohne darüber nachzudenken, hat die Botschaft verstanden.
Für Mastercard geht es dabei auch um die jüngere Zielgruppe. Gen Z und junge Millennials entscheiden heute, welche Karte im Wallet ganz oben liegt – physisch wie digital. Wer diese Kunden nicht erreicht, verliert langfristig Transaktionsvolumen an Wettbewerber wie Visa, Apple Pay oder Buy-now-pay-later-Anbieter, die im Social-Bereich längst aktiv sind.
Zahlungsmarken kämpfen nicht mehr am Terminal um Kunden, sondern im Feed. Wer dort nicht vorkommt, existiert für die nächste Käufergeneration schlicht nicht.
Was bedeutet das für Shopbetreiber?
Der Vorstoß ist weniger eine Anleitung zum Nachmachen als ein Richtungsindikator. Erstens zeigt er, dass selbst Konzerne mit Milliarden-Budgets klassische Anzeigen zunehmend durch Creator-Formate ersetzen – weil die Werbeblocker-Quote steigt und Paid Social teurer wird. Zweitens unterstreicht er, wie eng Payment und Content inzwischen verzahnt sind. Social-Commerce-Umsätze wachsen zweistellig, und der Bezahlvorgang direkt aus dem Feed heraus wird zum Normalfall.
Konkret für Händler heißt das: Die Zahlarten im eigenen Shop sollten mit den Gewohnheiten der Creator-affinen Zielgruppe mithalten. Express-Checkout-Verfahren, gespeicherte Karten via Click to Pay und Wallet-Optionen wie Apple Pay oder Google Pay reduzieren genau die Reibung, die Social-Traffic typischerweise mitbringt – spontane, mobile, ungeduldige Käufer.
Creator-Marketing auch für mittelgroße Shops?
Nicht jeder Händler kann oder sollte eine eigene Creator-Serie aufziehen. Aber die Mechanik skaliert nach unten. Micro-Creator mit 10.000 bis 50.000 Followern in Nischen wie Grillzubehör, Wein oder Vegan-Food liefern oft höhere Engagement-Raten als große Accounts – zu Bruchteilen der Kosten. Für Shops im Food- und Genusssegment ist das ein erprobter Weg, besonders in Kombination mit Affiliate-Tracking über Plattformen wie Awin oder Shopify Collabs.
Der Mastercard-Move bestätigt jedenfalls, was Marktbeobachter seit zwei Jahren vorhersagen: Die Grenze zwischen Unterhaltung, Produktentdeckung und Bezahlung verschwindet. Händler, die ihren Traffic weiterhin über klassische Suchanzeigen einkaufen, während die Kundschaft im Feed kauft, zahlen doppelt – für Klicks und für verpasste Käufe.
