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Zollabgabe für Temu und Shein: Was ab Juli auf 3 Euro Kleinsendungen zukommt

Zollabgabe für Temu und Shein: Was ab Juli auf 3 Euro Kleinsendungen zukommt

Der Paketflut aus Fernost setzt die EU seit Jahren mit Strafzöllen, Lieferbeschränkungen und Verpackungsvorschriften zu. Doch eine Änderung im Juli trifft jetzt direkt die Konsumenten: Die Zollfreigrenze für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern entfällt. Für Pakete aus China und anderen Drittländern wird künftig bereits ab einem Warenwert von drei Euro pauschal Zoll fällig.

Plattformen wie Temu und Shein sind besonders betroffen. Sie haben ihr Wachstum maßgeblich auf de minimis-Sendungen aufgebaut, also Bestellungen unter 150 Euro, die bisher zollfrei in die EU gelangen konnten. Kunden zahlten lediglich Mehrwertsteuer. Dieser Vorteil verschwindet.

Was ändert sich konkret?

Die neue Regelung greift für alle Sendungen aus dem Nicht-EU-Ausland mit einem Warenwert von unter 150 Euro. Bisher galt hier Zollfreiheit. Künftig wird eine Zollpauschale von drei Euro erhoben, als Mindestabgabe. Darüber hinaus kann der eigentliche Zollsatz je nach Produktkategorie deutlich höher ausfallen.

Besonders teuer wird es bei Waren, die ohnehin höheren Zollsätzen unterliegen. Textilien, Schuhe und Elektronikartikel aus Fernost treffen einige der höchsten EU-Zollsätze. Wer bei Temu ein 20-Euro-Smartphone-Zubehörteil bestellt, zahlt künftig nicht nur drei Euro Pauschale, sondern möglicherweise auch noch den produktspezifischen Zoll.

Kernsatz: Die drei Euro sind eine Mindestabgabe, nicht die Obergrenze. Je nach Warengruppe können die Gesamtkosten deutlich steigen.

Warum trifft das gerade Temu und Shein?

Temu und Shein verschicken Millionen Kleinsendungen täglich. Ihr Geschäftsmodell basiert auf extrem niedrigen Preisen, geringen Margen und massiver Stückzahl. Jeder zusätzliche Euro pro Paket schlägt direkt auf die Kalkulation durch. Das Problem ist doppelt: Erstens steigen die Kosten für Verbraucher, was die Preisattraktivität der Plattformen schmälert. Zweitens entsteht ein bürokratischer Aufwand, der bisher nicht existierte.

Die EU-Kommission begründet die Änderung mit Wettbewerbsverzerrungen und Sicherheitsbedenken. Massenhaft Kleinsendungen aus Fernost sollen künftig nicht mehr unterhalb des Zollradars durchschlüpfen. Zugleich will Brüssel die Kontrolle über gefälschte Produkte, gefährliche Waren und vermeintliche Umweltsünder verbessern.

Für deutsche Online-Händler ergibt sich daraus ein gedämpfter Wettbewerbsvorteil. Ein Shopify-Shop oder ein WooCommerce-Händler mit Lager in Deutschland bleibt von der neuen Regelung direkt unberührt. Kunden, die bisher bei Temu bestellten, weil es „eben keinen Zoll gibt“, müssen neu rechnen.

Wie wird die Abgabe eingetrieben?

Noch ist unklar, ob Temu und Shein die Zollkosten in den Checkout einbauen oder ob Kunden beim Zusteller nachzahlen müssen. Letzteres wäre für den Konsumenten unkomfortabel und dürfte die Retourenquote steigen lassen. Amazon und die etablierten Marktplätze haben über Jahre gelernt, Zoll und Steuern transparent im Preis auszuweisen. Temu und Shein müssen diesen Standard nun nachholen.

Für Shopbetreiber mit eigenem Import aus Nicht-EU-Ländern ändert sich ebenfalls etwas. Wer Direktimporte aus China organisiert, sollte die Zollsätze seiner Produktkategorien prüfen und klären, ob der Lieferant die Einfuhrabgaben übernimmt oder ob der Händler sie separat abführen muss. Tools wie das Zolltarif-Online-Portal der EZT oder integrierte Lösungen in Versandsoftware wie Shipcloud oder Sendcloud helfen bei der Kalkulation.

Die Pauschale von drei Euro klingt harmlos. Bei 50 Prozent Margen im Schnäppchensegment kann sie den Unterschied zwischen Kauf und Absprung ausmachen. Temu und Shein werden versuchen, die Kosten zu absorbieren oder über Mindestbestellwerte zu verteilen. Ob das funktioniert, hängt davon ab, wie hoch die tatsächlichen Zollsätze für die einzelnen Warengruppen ausfallen.

„Die Zeiten, in denen Fernost-Schnäppchen völlig unbürokratisch nach Deutschland kamen, sind vorbei.“

Für E-Commerce-Manager lohnt sich ein Blick auf die eigene Wettbewerbsposition. Wenn direkte Konkurrenten auf Temu oder Shein aktiv sind, könnte die Zollregelung deren Preisvorteil schwächen. Wer umgekehrt selbst aus Fernost importiert, muss seine Endkundenpreise und Margen neu durchrechnen.