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Physische Retail-Investitionen: Warum Brands trotz AI Millionen in Stores stecken

Während künstliche Intelligenz den Onlinehandel beschleunigt, investieren führende Brands millionenschwer in physische Präsenz. Die Colliers-Studie „How AI Is Redefining Retail Real Estate in 2026″ zeigt einen klaren Trend: 71 Prozent der Einzelhändler weitern ihre stationären Flächen aus. Fast 85 Prozent des US-Einzelhandelsumsatzes werden generell noch im Geschäft abgewickelt.

Diese Zahlen widersprechen der gängigen Erzählung, das Internet physische Stores überflüssig machen. Viele Marken erleben das Gegenteil. Der Versuch, den stationären Handel abzumelden, läuft inzwischen ins Leere.

Wie KI stationäre Prozesse in Echtzeit optimiert

Künstliche Intelligenz verändert den physischen Handel nicht als Konkurrenz, sondern als Hebel. Der Colliers-Bericht legt nahe, dass KI-gestützte Shops Umsätze um 79 Prozent schneller wachsen als Ladengeschäfte mit analoger Abwicklung. Vor allem die Lagerhaltung, Preisgestaltung und Bestandsplanung profitieren. Store-Mitarbeiter entscheiden mit KI-Inventarsystemen im Rückraum und informieren Kunden über Verfügbarkeit in Echtzeit. Das Ergebnis: weniger Ausverkäufe, kürzere Wartezeiten, höhere Conversion.

Kernsatz: 85 Prozent des US-Handels bleiben physisch. KI macht Stores effizienter, nicht überflüssig.

Was Crocs, Kohl’s und The Vitamin Shoppe anders macht

Crocs liefert ein konkretes Beispiel. Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete die Marke erstmals über eine Milliarde Dollar Quartalsumsatz. Die Umsätze im Direct-to-Consumer-Geschäft stiegen um 12,9 Prozent. Das Unternehmen betreibt parallel eigene Stores und nutzt den physischen Raum für Kundenbindung und Markenauftritt.

Kohl’s setzt auf hybride Infrastruktur. Mit 1.100 Sephora-Partnerschaften im Store und 1.151 Filialen bindet das Unternehmen stationäre Erlebnisse digitale Services an. Im dritten Quartal werden Markeninfrastruktur-Verbesserungen abgeschlossen. Eigenmarken wuchsen im zweiten Quartal um 3 Prozent.

The Vitamin Shoppe verfolgt einen anderen Weg. Der Einzelhändler testet eine KI-gestützte Touchscreen-Lösung namens „Shoppe Advisor“ in einer New Yorker Filiale. Die Suchmaschine durchsucht Produktvideos und Artikel, liefert Kunden und Mitarbeitern in Echtzeit Wissen zu Themen wie Schlaf und Ernährung. Plant ist der Rollout in weitere Filialen.

Warum Händler jetzt in „Phygital-Investitionen“ priorisieren müssen

Die McKinsey- und ICSC-Prognose ist eindeutig: Bis 2030 könnten KI-gestützte Shopping-Erlebnisse bis zu eine Billion US-Dollar zusätzlichen Handel im US-Markt auslösen. Die Fragen lauten, wie schnell diese Integration kommt und ob die eigene Marke in die Zielgruppe passt.

Für deutsche E-Commerce-Manager liegt der Impuls in einem klaren Einschätzungsprozess. Stationäre Flächen werden immer öfter als Erlebnis- und Logistikzentren betrieben. Der Buy-online-pick-up-in-store-Anteil liegt bei neun Prozent des Handelsumsatzes. Diese Ordnung muss vorbereitet sein.

Der Wettbewerb läuft. Die Händler, die jetzt in Prozesse, Infrastruktur und Personalkapazität investieren, sichern sich den Kunden, der zwischen digitalen Angeboten und physischem Erlebnis wählt.