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Billig-Ware aus China: 120-Prozent-Gebühr trifft Shein, Temu und Amazon

Billig-Ware aus China: 120-Prozent-Gebühr trifft Shein, Temu und Amazon

Ab 2. Mai 2025 gilt für Pakete aus China unter 800 US-Dollar Schluss mit der Steuerfreiheit. Die US-Regierung hat die De-Minimis-Regelung für Sendungen aus China und Hongkong ausgesetzt. Künftig fällt auf Billig-Ware aus China entweder eine Einfuhrgebühr von 120 Prozent oder eine Pauschalgebühr von 100 Dollar pro Paket an, ab Juni 2025 sogar 200 Dollar. Für Shein, Temu und Amazons neue Billig-Plattform Haul ändert sich damit die Basis des Geschäftsmodells.

Das Ende des T86-Verfahrens, das bisher Zoll und Umsatzsteuer bei geringwertigen Paketen erlassen hat, trifft jene Händler, die Waren direkt aus chinesischen Lagern an US-Haushalte liefern. Die US-Zollbehörde CBP verzeichnete 2024 mehr als 1,36 Milliarden Pakete unter dem De-Minimis-Programm, ein Großteil davon von Shein und Temu. Konkret schmelzen die neuen Kosten entweder die Margen oder treiben die Endkundenpreise nach oben, wahrscheinlich beides.

Warum trifft die Reform Shein und Temu so hart?

Beide Unternehmen haben ihre Marktmacht in den USA über den zollfreien Direktversand aus China aufgebaut. Temu verzichtete lange bewusst auf US-Lager, weil der De-Minimis-Status die Kosten pro Sendung im Cent-Bereich hielt. Shein verschickte Kleinst-Mengen Textilien binnen Tage direkt an Konsumenten. Ihre Logistik ist so auf dünn kalkulierte Paketpreise ausgelegt, dass selbst eine Gebühr von 100 Dollar pro Sendung das Modell ins Wanken bringt.

Direkte Antwort: Die neuen Einfuhrgebühren zerstören den Kostenvorteil, auf dem das Preismodell von Shein und Temu beruht. Ein 15-Dollar-Kleid wird bei 120 Prozent Zoll plus Logistik schnell zum 35-Dollar-Artikel. Beide Plattformen haben bereits Preiserhöhungen angekündigt und wollen verstärkt aus US-Lagern verkaufen, was jedoch höhere Lager- und Personalkosten verursacht.

Was bedeutet das für Amazon, deutsche Händler und den EU-Markt?

Amazon ist weniger exponiert als Shein und Temu, aber nicht immun. Mit Amazon Haul startete der Konzern im Herbst 2024 eine eigene Plattform für Artikel unter 20 Dollar, die ebenfalls auf chinesische Direktimporte setzt. Anders als die beiden Konkurrenten verfügt Amazon über ein dichtes Netz an US-Fulfillment-Centern. Der Konzern kann schneller umlagern und Zollkosten stärker auf seine chinesischen Verkäufer umlegen.

Für deutsche Online-Händler ergeben sich zwei Effekte. Auf dem US-Markt sinkt der Preisdruck, wenn chinesische Billig-Importe teurer werden. Gleichzeitig droht ähnlicher Regulierungsdruck in Europa. Die EU diskutiert seit Monaten eine Absenkung oder Abschaffung der 150-Euro-De-Minimis-Grenze für Pakete aus Drittländern. Der deutsche Handelsverband HDE und europäische Einzelhändler fordern lautstark, dass Shein und Temu dieselben Steuer- und Zollregeln befolgen müssen wie lokale Shops. [ECOMMERCE MINDED: Internationale Marktplatzstrategie]

Kernsatz: Das Ende der De-Minimis-Freigrenze in den USA markiert den ersten großen regulatorischen Einschnitt für den Cross-Border-Direktversand aus China. Wer auf Billig-Importe setzt, muss sein Preismodell neu kalkulieren, unabhängig davon, ob er in den USA oder Europa verkauft.

Händler sollten jetzt prüfen, wie stark ihre Sortimente oder Wettbewerber von chinesischen Direktimporten abhängen. Diversifizierte Lieferketten, regionale Lager und transparente Zollkalkulationen rücken in den Fokus. Wer bisher mit Tiefpreisen aus China konkurrierte, bekommt voraussichtlich Luft, solange die EU nicht nachzieht und die 150-Euro-Grenze ebenfalls kippt. Dann würde der Schock auch den europäischen Markt erreichen.