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VR/AR im E-Commerce: China führt, Deutschland sträubt sich. Statista 2023

VR/AR im E-Commerce: China führt, Deutschland sträubt sich. Statista 2023

Warum zeigen deutsche Verbraucher so wenig Begeisterung für VR/AR-Shopping?

Chinesische Online-Käufer begeistern sich für virtuelle Einkaufswelten, deutsche Verbraucher blicken skeptisch auf 3D-Brillen und Augmented-Reality-Filter. Eine Statista-Erhebung aus dem Jahr 2023 zeigt deutliche Unterschiede in der VR/AR-Akzeptanz im E-Commerce zwischen den Ländern. Während asiatische Märkte die Technologie als selbstverständlichen Teil des Kaufvorgangs begreifen, rangiert Deutschland im internationalen Vergleich am unteren Ende der Skala. Für Shop-Betreiber mit siebenstelligem Jahresumsatz stellt sich die Frage, ob Investitionen in virtuelle Showrooms gerechtfertigt sind, oder ob das Geld besser in die Checkout-Optimierung fließt.

Die Gründe für die deutsche Zurückhaltung sind weniger technischer Natur als vielmehr kulturell und ökonomisch. Die Verbreitung von VR-Headsets in deutschen Haushalten liegt deutlich unter dem Niveau chinesischer oder US-amerikanischer Märkte. Wer keine Hardware besitzt, wird auch keine virtuellen Flagship-Stores besuchen. Hinzu kommt die Ernüchterung nach dem Metaverse-Hype der Jahre 2021 und 2022. Viele Verbraucher assoziieren Virtual Reality nach wie vor mit überladenen Spielwelten und nicht mit einer praktischen Ergänzung zum Online-Shopping.

Ein weiterer Faktor ist die deutsche Kaufmoral. Hierzulande dominiert der funktionale, schnelle Kaufabschluss. AR-Funktionen, die den Kunden vor das Produkt stellen, verlängern den Prozess. Datenschutzbedenken spielen ebenfalls eine Rolle: Kameras, die Wohnräume scannen, stoßen auf eine sensibelere Rezeption als in anderen Ländern. Händler unterschätzen oft, dass Technologieakzeptanz nicht global einheitlich verläuft.

Wo lässt sich VR/AR im E-Commerce heute schon sinnvoll einsetzen?

Dennoch gibt es Anwendungsfelder, in denen sich Augmented Reality bereits rechnet, allerdings nicht im Massengeschäft, sondern in Nischen mit hoher Beratungsintensität. Möbelhäuser nutzen AR-Filter, damit Kunden Sofas oder Leuchten in den eigenen vier Wänden platzieren können, bevor sie bestellen. Im Fashion-Bereich testen Premium-Anbieter virtuelle Umkleidekabinen, um Retourenquoten zu senken. Beauty-Marken wie L’Oréal setzen auf AR-gestützte Make-up-Tester, die über das Smartphone funktionieren, ohne dass der Nutzer eine Brille tragen muss.

Der entscheidende Unterschied: Diese Lösungen laufen über WebAR direkt im Browser oder innerhalb bestehender Apps. Sie benötigen keine teure Extra-Hardware. Wer im deutschen Markt Erfolg haben will, muss die Einstiegshürde minimieren. Ein 3D-Produktkonfigurator für einen 5.000-Euro-Küchenschrank liefert mehr messbaren Nutzen als ein virtueller Catwalk für 9,99-Euro-T-Shirts.

Was bedeutet das für Shop-Betreiber mit Umsatz ab einer Million Euro?

Für mittelständische Online-Händler ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Technologie beobachten, aber nicht vor dem Konsumenten investieren. Die Kosten für 3D-Scans und AR-Integration sind in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Ein gezielter Test anhand der umsatzstärksten zehn Produkte reicht, um zu prüfen, ob die Conversion-Rate steigt oder die Retourenquote sinkt. [ECOMMERCE MINDED: Conversion-Rate-Optimierung]

Langfristig wird sich AR vor allem dort durchsetzen, wo sie einen konkreten Schaden vermeidet oder eine Komplexität reduziert. Wer heute die technische Infrastruktur für 3D-Assets aufbaut, ist vorbereitet, ohne das Betriebsergebnis mit VR-Flagship-Projekten zu belasten. Die große Mehrheit der deutschen Kunden wird weiterhin auf klassischen Produktseiten kaufen. Wer das ignoriert, um ein Metaverse-Visionär zu spielen, verliert Margen.

Die Kluft zwischen asiatischem Enthusiasmus und deutscher Skepsis wird vorerst bestehen bleiben. Händler, die dennoch differenzieren wollen, setzen nicht auf Virtual-Reality-Welten, sondern auf pragmatische AR-Helfer direkt am Point of Sale, auch wenn dieser digital ist.