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Auslands-Euro: Neun von zehn fließen zu Temu, Shein & Aliexpress

Auslands-Euro: Neun von zehn fließen zu Temu, Shein & Aliexpress

49,7 Milliarden Euro. Neun von zehn Auslands-Euro, die EU-Verbraucher 2025 bei Händlern außerhalb der Union ausgaben, flossen zu Temu, Shein und Aliexpress. Die ECDB-Studie, über die Ecommercenews.eu berichtet, summiert den Gesamtabfluss auf 55,1 Milliarden Euro. Das sind 13,1 Prozent aller Online-Ausgaben für physische Waren.

Zum Vergleich: 2020 lag der Anteil bei 2,3 Prozent. Für das Gesamtjahr wird 15,2 Prozent erwartet. In sechs Jahren hat sich der Abfluss damit versechsfacht. Drei Plattformen aus China kontrollieren den grenzüberschreitenden Niedrigpreis-Handel der Union fast vollständig. Die ECDB (European Commerce Database) erfasst Online-Handelsdaten europaweit.

Warum landen die Auslands-Euro bei Temu und Co.?

Der Preis ist der Hauptgrund. Temu, Shein und Aliexpress verkaufen Kleidung, Wohnaccessoires und Kleinelektronik zu Preisen, die stationäre Händler und viele Onlineshops nicht einmal als Einkaufspreise erreichen. Dazu kommt ein Entdeckungs-Format: Die Apps zeigen endlose Feeds, Spiele und Countdown-Angebote. Der Kaufabschluss folgt fast nebenbei, der Warenkorb füllt sich im Minutentakt.

Strukturell trägt der europäische Zoll dazu bei. Sendungen bis 150 Euro bleiben zollfrei, die De-minimis-Regel gilt weiter. Die EU-Kommission schlug im Mai 2025 eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Paket vor. Die Mitgliedstaaten verhandeln über Details und Zeitplan. Eine eigene EU-Zollbehörde ist in der Reform ebenfalls vorgesehen. Für Shop-Betreiber heißt das: Der Preisvorteil der Konkurrenz schrumpft, sobald die Gebühren kommen.

Der Niedrigpreis-Import lebt von einer Zolllücke, die die Union schließen will.

Was bedeutet das für Händler in Deutschland?

Margendruck in Mode, Wohnen und Kleinelektronik. Shein drückt die Basics-Preise in der Fashion, Temu den Homeware-Markt. Betroffen sind vor allem Kategorien mit geringer Markenbindung: Textilien, Deko, Küchenhelfer, Elektronik-Zubehör. Deutsche Anbieter wie Zalando oder About You messen sich ohnehin an Service und Sortiment, der Wettbewerb aus Asien aber verschärft den Preisvergleich. Rechnen Sie mit sinkenden Conversion-Raten, wenn Kunden Preise zwischen Ihrem Shop und Temu gegenüberstellen.

Temu und Shein reagieren selbst: Beide bauen lokale Lagerbestände in Europa aus und holen Händler mit Sitz in der Union auf ihre Marktplätze. Auch Amazon antwortet mit dem Niedrigpreis-Segment Haul. Der Preiskrieg verschiebt sich damit zu Liefergeschwindigkeit und Retouren-Service. Genau dort verlieren die chinesischen Plattformen ihren größten Vorteil.

Wie können Händler jetzt antworten?

Mit Logistik, Service und Vertrauen, nicht mit dem Preis. Wer im direkten Wettbewerb steht, sollte drei Hebel prüfen:

  • Liefergeschwindigkeit: Versand aus heimischen Lagern innerhalb von 48 Stunden statt Wochen aus Asien.
  • Retouren: Kostenlose Rücksendung und klare Service-Prozesse als Vertrauenssignal.
  • Transparenz: Herkunft, Materialien und Support in deutscher Sprache kommunizieren.

Ein Blick auf die Kostenstruktur lohnt sich. Sobald Bearbeitungsgebühren und Zollreform greifen, steigen die Einfuhrpreise für Temu und Co. Wer heute seine Preispositionierung prüft, reagiert schneller als der Wettbewerb.

Kernsatz: Der Auslands-Euro-Abfluss ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine tiefgreifende Verschiebung im europäischen E-Commerce, weg vom reinen Preiswettbewerb, hin zu Geschwindigkeit und Vertrauen.

Die offene Frage ist nicht, ob der Abfluss weiter wächst. Sie lautet, wie schnell europäische Händler den Preiswettbewerb in einen Service-Wettbewerb drehen. Wer wartet, bis die Zolllücke geschlossen ist, verliert den Zeitvorsprung, den lokale Lager heute bieten.