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EU-Pauschalzoll: Billigpakete sinken um bis zu 40 Prozent, doch Temu weicht aus

EU-Pauschalzoll: Billigpakete sinken um bis zu 40 Prozent, doch Temu weicht aus

30 bis 40 Prozent weniger Billigpakete, so lautet die Bilanz des französischen Zolls wenige Wochen nach Einführung des EU-Pauschalzolls auf Kleinsendungen. Die Zahl klingt nach einem Erfolg für alle, die sich von Temu, Shein und AliExpress unter Preisdruck gesetzt fühlen. Doch wer in Deutschland einen Online-Shop betreibt, wird im Tagesgeschäft bislang wenig davon bemerken. Der Pauschalzoll wirkt an der Grenze, aber noch nicht im Handel.

Hintergrund: Die EU erhebt seit Kurzem eine Pauschale von zwei Euro pro Kleinsendung aus Drittländern, die bisher weitgehend abgabenfrei direkt zum Verbraucher flossen. Rund 4,6 Milliarden solcher Pakete erreichten die EU im vergangenen Jahr, über 90 Prozent davon aus China. Frankreich als wichtigstes Einfallstor mit den Häfen von Le Havre und Marseille sowie dem Luftfracht-Drehkreuz Paris-Charles-de-Gaulle registriert den Rückgang zuerst und deutlichsten.

Warum spüren deutsche Händler trotz Pauschalzoll keine Entlastung?

Die Antwort liegt in der Logistik der Plattformen. Im Sellerforum berichten mehrere Händler von einer einfachen Beobachtung: Temu und Shein bündeln ihre Ware inzwischen in Sammelcontainern und verschiffen oder verfrachten sie per Bahn in EU-Zwischenlager. Von dort aus erfolgt der Versand als innergemeinschaftliche Lieferung, ohne Pauschalzoll, ohne Grenzkontrolle pro Paket.

Dieses Modell ist kein Trick am Rande, sondern längst Kern der Strategie. Temu hat sein sogenanntes Semi-Managed-Modell 2024 massiv ausgebaut: Händler und Marktplatz-Verkäufer lagern Bestände direkt in Europa. Shein arbeitet an eigenem Lagerflächen-Ausbau in Polen und Deutschland. Der Pauschalzoll trifft damit nur noch den schrumpfenden Rest des Direktversands aus China, nicht das Volumen, das den Preiskampf im deutschen Markt tatsächlich trägt.

Kernsatz: Der EU-Pauschalzoll senkt die Paketmenge an der Grenze deutlich, ändert aber nichts am Wettbewerbsdruck, solange Plattformen über EU-Lager beliefern.

Was bedeutet der Zoll für Margen und Wettbewerb im Shop-Alltag?

Für Händler, die selbst aus China importieren, bleibt die Rechnung unverändert: Containerware mit ordentlicher Verzollung war von der Pauschale nie betroffen. Wer dagegen gehofft hatte, der Zoll mache die Dumpingpreise der Plattformen spürbar teurer, muss sich gedulden. Zwei Euro pro Paket verteuern ein 4-Euro-T-Shirt um 50 Prozent, aber nur, wenn es einzeln verschickt wird. Im Container kostet das gleiche Shirt weiterhin Cent-Beträge an Abgaben.

Ein zweiter Effekt betrifft die Retouren- und Dropshipping-Modelle deutscher Händler. Wer per Dropshipping aus Fernost beliefert, trägt die Pauschale nun direkt oder über seinen Fulfillment-Dienstleister. Anbieter wie BigBuy oder CJ Dropshipping haben ihre EU-Lager-Anteile bereits erhöht; Händler sollten ihre Versandkonditionen und Herkunftsländer in den nächsten Wochen prüfen, bevor Margen still abschmelzen.

Der Zoll ist ein Signal, keine Bremse. Die Plattformen haben ihre Lieferketten längst umgestellt, während Europa noch über die nächste Stufe diskutiert.

Die nächste Eskalationsstufe zeichnet sich ab

Brüssel arbeitet parallel an der Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze und an einer zusätzlichen Handling-Gebühr pro Sendung, die den Zollbehörden die Kontrollkosten refinanzieren soll. Frankreich drängt dabei am stärksten auf Tempo, kein Zufall, dass ausgerechnet dort jetzt die ersten Wirkungsdaten verkündet werden. Zugleich wächst der Druck, die Lager-Umgehung selbst zu adressieren: Einzelmarkt-Lieferungen aus EU-Hubs der Plattformen könnten künftig strengeren Produktkonformitäts- und Marktüberwachungsregeln unterliegen.

Für deutsche Shopbetreiber bleibt die Lage damit ambivalent. Die Politik bewegt sich, die Zahlen in Frankreich belegen das. Doch der Wettbewerbsvorteil von Temu und Shein speist sich aus Skaleneffekten in Sourcing und Logistik, nicht aus einer Zolllücke. Wer seine Position gegen die Billigplattformen stärken will, setzt besser auf Lieferzeiten, Beratung und Markentreue als auf Entlastung durch Brüssel.

Beobachten sollten Händler vor allem eines: die Sitzungen des EU-Rates zur Zollreform im Herbst. Kommt die Handling-Gebühr auch auf innergemeinschaftliche B2C-Sendungen aus Plattform-Lagern, ändert sich das Kalkül schlagartig. Bis dahin gilt: Der Pauschalzoll ist ein Anfang, keine Wende.