Etwa ein Fünftel mehr Umsatz im US-Onlinegeschäft, Quartal für Quartal: Walmarts E-Commerce-Motor läuft. Die Frage, die Investoren derzeit umtreibt, lautet, ob der Konzern dieses Tempo halten kann. Eine zentrale Antwort soll Walmart+ liefern, die kostenpflichtige Mitgliedschaft, die der Konzern als Antwort auf Amazon Prime positioniert hat.
Walmart+ kostet 98 Dollar pro Jahr oder 12,95 Dollar im Monat und bündelt Gratisversand ohne Mindestbestellwert, Lieferung aus der Filiale, Treibstoff-Rabatte sowie Zugang zu Paramount+ als Streaming-Extra. Analysten, darunter das Team von Zacks, sehen die Mitgliedschaft als Hebel, der aus Gelegenheitskäufern Stammkunden macht: Wer zahlt, bestellt häufiger, und bindet sich an das Ökosystem.
Was macht Walmart+ für Händler interessant?
Für Marktplatz-Seller auf Walmart.com verändert das Programm die Spielfeldregeln. Mitglieder erwarten schnelle Lieferung, und genau hier greift das Fulfillment-Angebot des Konzerns: Walmart Fulfillment Services (WFS) schleust Händlerware in das Netzwerk, das Walmart+-Bestellungen priorisiert. Wer WFS nutzt, erhält das sichtbare TwoDay-Shipping-Badge, ein Conversion-Vorteil, den Amazon-Händler vom Prime-Badge kennen.
Zahlen aus dem Konzernumfeld zeigen die Wirkung: Walmart+ soll inzwischen zweistellige Millionen-Haushalte erreichen, und Mitglieder geben Studien zufolge deutlich mehr aus als Nicht-Mitglieder, Schätzungen sprechen vom Doppelten. Gleichzeitig erzielt Walmart erstmals nennenswerte Gewinne aus dem digitalen Geschäft, getragen von Werbeeinnahmen über Walmart Connect. Die Mitgliedschaft wirkt damit doppelt: Sie erhöht Bestellfrequenz und liefert Daten, die das Retail-Media-Geschäft befeuern.
Warum der Vergleich mit Amazon Prime nur bedingt trägt?
Prime ist nach fast zwei Jahrzehnten die Referenz, mit über 200 Millionen Mitgliedern weltweit. Walmart+ startete 2020 und bleibt davon entfernt. Doch der Konzern braucht den Vergleich nicht zu gewinnen. Die Strategie zielt auf das eigene Kerngeschäft: Lebensmittel und Haushaltswaren, Kategorien mit wöchentlicher Kaufkadenz. Genau hier erzeugt kostenlose Lieferung ab 35 Dollar Warenkorbwert plus Same-Day-Optionen aus rund 4.600 US-Filialen einen Vorteil, den Amazon ohne eigenes Ladennetz nicht kopieren kann.
Schwächen gibt es freilich. Das Streaming-Bundle Paramount+ wirkt neben Prime Video verhalten, und außerhalb der USA existiert kein vergleichbares Programm. Für deutsche Händler, die Walmart.com als zusätzlichen Absatzkanal prüfen, bleibt die Mitgliedschaft vor allem ein Qualitätsfilter: Ohne WFS oder vergleichbar schnelle Versandoptionen sinkt die Sichtbarkeit bei genau den Kunden, die am häufigsten kaufen.
Handlungsimpuls für Marktplatz-Seller
Wer bereits auf Walmart.com listet, sollte den Anteil von WFS-gelagertem Bestand prüfen und die Werbeausgaben auf Walmart Connect kalibrieren, die Plattform schiebt gebündelte Kampagnen entlang der Mitgliederkohorte. Wer noch nicht listet, findet im Seller Center inzwischen deutlich ausgereiftere Onboarding-Prozesse als noch vor zwei Jahren; Tools wie Sellercloud oder ChannelAdvisor helfen beim Multichannel-Abgleich von Beständen.
Ob Walmart+ das Gesamtwachstum allein tragen kann, wird sich an den kommenden Quartalszahlen entscheiden. Sicher ist: Die Mitgliedschaft verändert bereits heute, wer auf dem Marketplace sichtbar ist, und wer nicht.
