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Zollabgabe für Temu und Shein: Ab Juli fällt die 150-Euro-Freigrenze

Zollabgabe für Temu und Shein: Ab Juli fällt die 150-Euro-Freigrenze

Bestellungen bei Temu, Shein oder AliExpress werden ab Juli 2025 spürbar teurer. Die Europäische Union schafft die bisherige Zollfreigrenze für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern ab, die einen Wert von unter 150 Euro hatten. Stattdessen fällt für jede Sendung pauschal Zoll an, bereits ab drei Euro Warenwert.

Betroffen sind vor allem Billig-Plattformen aus China, die massiv auf den europäischen Markt gedrängt sind. Laut EU-Kommission stieg das Sendungsvolumen aus dem Nicht-EU-Ausland von 1,5 Milliarden im Jahr 2022 auf über 4,6 Milliarden im Jahr 2024. Ein Großteil entfiel auf Low-Cost-Artikel aus Fernost.

Was ändert sich bei der Einfuhr aus Nicht-EU-Ländern?

Bislang galten Sendungen unter 150 Euro als zollfrei. Online-Käufer mussten lediglich die Mehrwertsteuer entrichten, die viele Plattformen bereits im Checkout auswiesen. Ab Juli entfällt diese Schwelle.

Stattdessen wird eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Sendung fällig. Das klingt zunächst nach einem geringen Betrag, verändert aber die Wirtschaftlichkeit bei Bestellungen im einstelligen Eurobereich. Eine Warenkorbposition für 4,99 Euro würde durch Zoll und Abwicklungskosten deutlich teurer.

Der deutsche Zoll übernimmt die Erhebung. Plattformen wie Temu und Shein müssen entweder die Abgaben im Voraus einziehen oder die Sendung geht erst nach Nachzahlung an den Kunden. Letzteres würde den Abholprozess bei DHL, Hermes oder GLS verkomplizieren.

Warum trifft die Reform gerade Temu und Shein?

Beide Plattformen haben ihr Geschäftsmodell auf extrem günstige Einzelartikel und kostenlose Lieferung aufgebaut. Temu erzielte 2024 in Europa einen Umsatz von geschätzt 11 Milliarden Euro, wobei der Durchschnittswarenkorb weit unter 50 Euro lag. Shein liegt ähnlich und dominiert den Fast-Fashion-Onlinehandel in der unteren Preisklasse.

Eine Zollpauschale von drei Euro trifft diese Anbieter deshalb härter als klassische E-Commerce-Händler mit höheren Durchschnittsbestellwerten. Für einen 15-Euro-Artikel bedeutet das eine Preiserhöhung um 20 Prozent, zuzüglich eventueller Mehrwertsteuer und Bearbeitungsgebühren.

Kernsatz: Die Reform macht Low-Cost-Einkäufe aus Fernost weniger attraktiv, nicht durch Prohibition, sondern durch eine faire Zollbelastung.

Wie sollten Online-Händler reagieren?

Für deutsche Shop-Betreiber bietet die Regelung eine Chance, ihre Wettbewerbsposition zu stärken. Waren aus EU-Lagern unterliegen der neuen Zollpauschale nicht. Händler, die innerhalb der EU lagern und verschicken, behalten ihren Preisvorteil gegenüber fernöstischen Direktimporten.

Gleichzeitig müssen Händler prüfen, ob ihre eigene Lieferkette betroffen ist. Wer Dropshipping-Modelle mit Nicht-EU-Lieferanten nutzt oder Direktimporte aus China an Endkunden verschickt, wird die neuen Kosten an den Checkout weitergeben müssen. Andernfalls schmelzen die Margen.

Kundenkommunikation wird wichtiger. Viele Verbraucher verstehen den Unterschied zwischen Zoll, Mehrwertsteuer und Bearbeitungsgebühr nicht. Shops, die vorab transparent über Gesamtkosten informieren, reduzieren Retourengründe und Service-Anfragen.

Die Brüsseler Regelung zielt offensichtlich auf fairen Wettbewerb. Ob sie Temu und Shein dauerhaft bremsen wird, bleibt offen, beide Plattformen bauen gerade Lager in Europa aus, um zukünftig als EU-Lieferanten zu gelten. Die nächste Schlacht im E-Commerce wird also nicht im Preis, sondern in der Logistik entschieden.